Berlins Wiedergeburt als Kreativmetropole

Vom Stadt der Mauertoten zum Zentrum von Kultur und Kreativität

Berlin
Max. 6 Teilnehmer
4:00 stunden
Preis pro Person ab
190 € inkl. MwSt.

Inklusive:
Kuratierte Exkursion, Getränke und Snacks, Ticket für den öffentlichen Nahverkehr

Vom Umbruch zum Aufbruch

Keine andere europäische Metropole hat sich in der neueren Zeit so radikal verändert wie Berlin. Aus dem Brennpunkt des Kalten Krieges wurde eine internationale Kapitale der Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. Aus der einst geteilten Stadt erwuchs ein urbaner Experimentierraum, in dem neue Lebensentwürfe, kulturelle Bewegungen und unternehmerische Ideen ihren Platz fanden.

Die Designerin Natalia Golubenko, Mitbegründerin des Labels SELVA HUYGENS, nimmt Sie mit auf eine Reise durch diese außergewöhnliche Epoche - von der Aufbruchsstimmung der frühen 1990er Jahre bis zur internationalen Kreativmetropole von heute.

Gemeinsam erkunden Sie ausgewählte Viertel im ehemaligen West- und Ostberlin und erleben Orte, an denen die Geschichte dieser Transformation bis heute spürbar ist. Dabei erzählt Golubenko von einer Zeit, in der leerstehende Fabriken, Wohnungen und Hinterhöfe zu Freiräumen für Kunst, Musik, Mode und gesellschaftliche Experimente wurden.

Den Abschluss der Tour bildet der Besuch im SELVA HUYGENS Studio.

Auftakt im Sumak Teehaus

Ihre Tour mit Natalia Golubenko beginnt in Kreuzberg - in einem familiengeführten türkischen Teehaus.

Bei türkischem Tee oder Kaffee und kleinen Speisen lernen Sie Ihre Gastgeberin kennen und tauchen unmittelbar in die kulturelle Vielfalt des Viertels ein.

Kreuzberg hatte sich schon zu Zeiten der Teilung zu einem urbanen Experimentierraum entwickelt. Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebensentwürfe - Wehrdienstflüchtlinge, Punks, Hausbesetzer, Künstler sowie südosteuropäische, insbesondere türkische, Einwanderer, machten den Stadtteil zu ihrer Heimat.

Aus dieser wilden Mischung entstand eine lebendige Kultur, in der Musik, Kunst, Politik und alternative Lebensformen aufeinandertrafen. Viele Menschen kamen hierher, um sich bewusst von klassischen Karriere- und Lebenswegen zu lösen.

Diese Atmosphäre wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt für das kreative Berlin der folgenden Jahrzehnte.

Von Kreuzberg nach Ostberlin

Über die Oberbaumbrücke führt der Weg in den ehemaligen Ostteil der Stadt.

Die Spree war hier jahrzehntelang eine politische und physische Grenze: Auf der westlichen Seite lag Kreuzberg als Teil West-Berlins, eine subventionierte Insel des Kapitalismus. Auf der anderen Seite befand sich Friedrichshain, einst Teil der streng kontrollierten DDR-Hauptstadt.

Nach dem Fall der Mauer wurde die Oberbaumbrücke zu einem Symbol für das Zusammenwachsen Berlins.

Gleichzeitig entstand entlang des ehemaligen Grenzstreifens und in vielen Teilen Ostberlins eine neue urbane Freiheit. Tausende leerstehende Wohnungen, Fabriken und Gewerbeareale boten Raum für neuartige Projekte und Initiativen.

Der Clubgründer Dimitri Hegemann beschrieb das Berlin dieser Jahre als „eine Stadt, die ihre Regeln vergessen hatte.“

Für eine junge Generation von Künstlern, Musikern, Designern und Unternehmern waren die Leerstände ein Geschenk: Sie wurden zu Ateliers, Clubs, Galerien, Werkstätten und Orten für neue Formen des kulturellen Austauschs.

RAW-Gelände - Vom Eisenbahnwerk zum Freiraum der Szene

Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks öffnet sich ein besonders eindrucksvolles Kapitel dieser Entwicklung.

Die historischen Industrieanlagen, ursprünglich für die Wartung von Eisenbahnzügen errichtet, wurden nach der Wiedervereinigung zu einem unkonventionellen Kulturraum.

Verlassene Hallen und Werkstätten boten Platz für Clubs, Ateliers, Bars und kulturelle Projekte.

Hier lässt sich nachvollziehen, wie aus den industriellen Brachen der Nachwendezeit jene kreative Infrastruktur entstand, die Berlin später international bekannt machen sollte.

Boxhagener Platz - Künstler, Cafés und neue Nachbarschaften

Rund um den Boxhagener Platz zeigt sich eine andere Facette des Berliner Aufbruchs.

Leerstände und niedrige Mieten zogen Künstler, Studierende und internationale Kreative an. Aus privaten Initiativen entstanden Cafés, Galerien, Ateliers und kleine Läden.

Ein charakteristisches Phänomen dieser Zeit war die sogenannte „Instandbesetzung“: Gebäude wurden nicht nur besetzt, sondern häufig auch renoviert und langfristig als Wohn- und Kulturprojekte erhalten.

Die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum waren fließend. Wohnzimmer wurden zu Treffpunkten, Hinterhöfe zu Veranstaltungsorten und ehemalige Gewerberäume zu improvisierten Galerien.

Berlin wurde zum Labor für eine neue Form urbaner Kultur.

Rigaer Straße und Frankfurter Allee - Zwischen Rebellion und Repräsentation

Von hier aus führt die Tour weiter zur Rigaer Straße - einem Ort, an dem die politischen und sozialen Konflikte des Nachwende-Berlins besonders sichtbar wurden.

Hausbesetzungen und alternative Wohnprojekte prägten das Viertel seit den frühen 1990er Jahren. Einige Projekte wurden später legalisiert, andere blieben bewusst autonom.

Bis heute treffen hier unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinander, was Stadt sein kann: Wohnraum, Investitionsobjekt, sozialer Lebensraum oder politischer Experimentierraum.

Nur wenige Straßen weiter verändert sich das Stadtbild grundlegend.

Die Frankfurter Allee und die angrenzende Karl-Marx-Allee gehören zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der DDR-Stadtplanung. Monumentale Fassaden, breite Boulevards und großzügige Wohnanlagen sollten den gesellschaftlichen und architektonischen Anspruch des sozialistischen Staates sichtbar machen.

Kaum irgendwo sonst liegen die unterschiedlichen Kapitel der Berliner Stadtgeschichte so dicht beieinander.

Ausklang im SELVA HUYGENS Studio

Zum Abschluss geht es nach Neukölln - in einen Stadtteil, der wie kaum ein anderer für die jüngere Entwicklung Berlins steht.

Die Sonnenallee erzählt von kultureller Vielfalt und gesellschaftlichem Wandel. Türkische und arabische Communities haben das Viertel über Jahrzehnte geprägt. Seit den frühen 2000er Jahren kamen zunehmend internationale Künstler, Designer und Kreative hinzu.

Im SELVA HUYGENS Studio von Natalia Golubenko wird die Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Berliner Geschichten sichtbar.

Das Studio steht für eine neue Generation Berliner Kreativität: für Migration und kulturelle Vielfalt, für Mode und Design, für DIY-Unternehmertum und internationale Perspektiven.

Hier treffen lokale Verwurzelung und globale Einflüsse aufeinander - und zeigen, wie sehr die kreative Identität Berlins bis heute in Bewegung ist.

Bei einem Prosecco, Wein oder einem alkoholfreien Getränk klingt die Tour in entspannter Atmosphäre aus. Es bleibt Zeit für persönliche Gespräche, Fragen und einen vertieften Austausch.

Berlin - eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet

Die Kreativwirtschaft zählt heute zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen Berlins und umfasst Bereiche von Mode, Design und Architektur über bildende Kunst und Musik bis hin zu Games und digitalen Innovationen.

Doch die Geschichte der Berliner Kreativmetropole lässt sich nicht allein anhand von Zahlen erzählen.

Sie steckt in den Orten, die sich verändert haben. In den Menschen, die nach Berlin kamen. In leerstehenden Gebäuden, die plötzlich zu Ateliers und Clubs wurden. In den Freiräumen, die neue Ideen ermöglichten.

Auf dieser besonderen Stadttour mit Natalia Golubenko erleben Sie Berlin als eine Stadt des permanenten Wandels - geprägt von Brüchen, Übergängen und immer neuen Anfängen.

Eine Reise durch das Berlin nach 1989 - und zu den Orten, an denen die kreative Identität der Stadt bis heute entsteht.


Treffpunkt und Stationen
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    Treffpunkt & Kennenlernen
    Sumak Teehaus

    Oppelner Straße 9 D-10997 Berlin

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Dauer

4:00 stunden

Natalia Golubenko

Natalia Golubenko ist eine multidisziplinäre Künstlerin: Creative Producer, Event-Organisatorin und eine Hälfte des vom Brutalismus inspirierten Mode-Labels SELVA HUYGENS.

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